E-Commerce hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt – und mit ihm die Anforderungen von Unternehmen. 2025 werden voraussichtlich 59 % aller globalen E-Commerce-Umsätze über Mobile abgewickelt, was einem Volumen von rund 4 Billionen US-Dollar entspricht. Das zeigt deutlich, Flexibilität, kanalübergreifende Steuerung und Performance sind heute erfolgskritisch.
Während klassische Shopsysteme wie Magento, Shopify oder Shopware darauf ausgelegt sind, einfache Produktkataloge schnell online zu bringen, geraten sie bei komplexen Sortimenten und gewachsenen IT-Landschaften an ihre Grenzen. Wer heute nicht nur T-Shirts, sondern hochkonfigurierte Produkte, umfangreiche Varianten oder erklärungsbedürftige Leistungen verkaufen möchte, stösst schnell auf Limitierungen: starre Templates, getrennte Datenwelten, manuelle Pflegeprozesse und fehlende Flexibilität bei der Integration neuer Kanäle.
Genau hier setzt Composable Architecture (auch bekannt als MACH oder Headless Architecture) an. Dieser Ansatz macht digitale Commerce-Erlebnisse flexibel, integrierbar und zukunftssicher, indem er bestehende Systeme einbindet, statt sie zu ersetzen. Unternehmen können damit Inhalte, Produkte und Daten frei kombinieren und über alle Kanäle hinweg konsistent ausspielen ohne doppelte Datenpflege oder riskante Komplett-Relaunches.
Doch was bedeutet Composable Architecture genau und wie können Unternehmen diesen Ansatz effektiv nutzen? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Prinzipien, die Vorteile und die konkreten Anwendungsfälle dieser modernen Architektur.
Composable Architecture beschreibt einen modularen Ansatz für digitale Plattformen. Anstatt auf ein einziges, monolithisches System zu setzen, werden spezialisierte Bausteine flexibel miteinander kombiniert. Jeder Baustein erfüllt dabei genau eine Aufgabe und alle zusammen bilden eine Architektur, die sich jederzeit erweitern, austauschen oder modernisieren lässt.
Die bekannteste Ausprägung ist das sogenannte MACH-Prinzip:
Für Unternehmen bedeutet das, Composable Architecture ist keine komplette Neuentwicklung, sondern eine Weiterentwicklung der bestehenden IT-Landschaft. ERP, PIM oder CRM bleiben erhalten, werden aber durch APIs angebunden und so zu einem Teil der digitalen Commerce-Experience. Damit lassen sich neue Frontends bauen, Inhalte nahtlos integrieren und Prozesse automatisieren ohne Daten doppelt zu pflegen oder Legacy-Systeme auszutauschen.
In klassischen Architekturen werden Produktinformationen, Preise und Content oft mehrfach gepflegt, im ERP, im CMS und im Onlineshop. Diese redundanten Prozesse erhöhen nicht nur den Zeitaufwand, sondern auch das Risiko von Dateninkonsistenzen: ein Produkt kann im Shop noch als verfügbar angezeigt werden, während es im ERP längst ausverkauft ist.
Composable Lösung: Ein durchgängiger Datenfluss von ERP ins CMS und in die Headless Commerce Engine sorgt dafür, dass Informationen automatisch und in Echtzeit aktualisiert werden. Unternehmen sparen Zeit, vermeiden Fehler und stellen sicher, dass Kunden jederzeit korrekte Produktinformationen sehen.
Viele Standard-E-Commerce-Plattformen (z. B. Magento, Shopify, Shopware) sind für einfache Produktkataloge konzipiert. Sie tun genau das, wofür sie entwickelt wurden, Produkte in standardisierten Prozessen schnell online bringen. Für einfache Sortimente wie Mode oder Standardartikel funktioniert das gut.
Sobald jedoch individuelle Customer Journeys, komplexe Produkte oder zusätzliche Bestellschritte notwendig sind, stossen monolithische Systeme an ihre Grenzen. Der Checkout-Prozess lässt sich kaum anpassen, Integrationen in bestehende Websites sind nur mit erheblichem Aufwand möglich, und die Frontends bleiben an starre Templates gebunden. Damit entstehen unflexible Abläufe, die weder Markencharakter noch Produktspezifika ausreichend widerspiegeln.
Composable Lösung: Mit Headless Commerce lassen sich Shop-Funktionen an jedem beliebigen Touchpoint integrieren, ob Website, App oder Drittplattform. Das Backend verarbeitet Anfragen unabhängig vom Frontend, und die Gestaltung der Nutzerreise ist völlig frei. Unternehmen können so massgeschneiderte User Experiences entwickeln, die zu komplexen Produkten passen und den Kunden genau dort abholen, wo sie interagieren möchten.
In vielen Unternehmen leben Produktdaten im ERP, während Marketing-Content im CMS gepflegt wird. Ohne Integration bleibt der Kunde entweder bei trockenen Daten ohne Kontext hängen oder erhält Inhalte, die nicht den aktuellen Produktstatus widerspiegeln. Dieses Nebeneinander erschwert es, eine kohärente Customer Experience zu bieten.
Composable Lösung: Durch die Verbindung von Headless CMS und ERP-Daten entsteht ein einheitliches Informationsmodell. Produktbeschreibungen, Bilder und Storytelling können dynamisch mit Echtzeitdaten aus dem ERP angereichert werden. Das Ergebnis sind konsistente, relevante Produktgeschichten, die Vertrauen schaffen und Kaufentscheidungen erleichtern.
Mit klassischen Systemen bedeutet jeder neue Kanal, sei es eine Mobile App, ein Marktplatz oder ein Digital Kiosk, zusätzlichen Implementierungs- und Pflegeaufwand. Oft entstehen isolierte Systeme, die separat verwaltet werden müssen. Das macht Omnichannel Commerce langsam und teuer und verhindert ein konsistentes Erlebnis über alle Touchpoints hinweg.
Composable Lösung: Mit einer API-first-Architektur wird ein zentraler Backend-Datenpool geschaffen, der alle Kanäle bedient. Neue Kanäle lassen sich schnell anbinden, ohne die Infrastruktur zu vervielfachen. Unternehmen können dadurch Marktplätze, mobile Commerce und In-Store Experiences effizient integrieren und ihren Kunden ein nahtloses, kanalübergreifendes Erlebnis bieten.
Viele Unternehmen sind auf ihre ERP-Systeme angewiesen, ein kompletter Austausch ist riskant, teuer und dauert oft Jahre. Gleichzeitig fehlen diesen Systemen die Flexibilität, moderne E-Commerce-Anforderungen wie Omnichannel-Fähigkeit, Personalisierung oder Self-Service-Portale zu unterstützen. Die Folge ist, Innovation wird ausgebremst.
Composable Lösung: Statt das ERP zu ersetzen, wird es mit API-Layern erweitert und in eine moderne Digital Experience Platform (DXP) eingebunden. So können Unternehmen ihre Investitionen schützen, ihre Systeme zukunftsfähig machen und gleichzeitig neue digitale Services einführen ohne Millionen in riskante Replatforming-Projekte zu stecken.
Composable Architecture ist weit mehr als eine technische Spielerei oder ein weiteres Buzzword rund um APIs und Headless Commerce. Im Kern geht es darum, wie Unternehmen ihre digitale Geschäftsarchitektur modernisieren, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade dort, wo Legacy-Systeme, starre Plattformen oder fragmentierte Tools zum Engpass werden, eröffnet ein composable Ansatz neue Handlungsräume.
Klassische, monolithische Systeme stossen an ihre Grenzen, sobald sich Kundenerwartungen oder Marktbedingungen schnell verändern. Anpassungen dauern Monate, Innovationen bleiben auf der Strecke. Composable Setups dagegen sind modular aufgebaut: Unternehmen können neue Features testen, launchen und iterieren, ohne das gesamte System infrage zu stellen. Jede Komponente lässt sich unabhängig entwickeln und austauschen, das macht die Architektur extrem anpassungsfähig.
Besonders strategische Ziele wie Omnichannel-Commerce oder Personalisierung sind in einer monolithischen Umgebung kaum zu realisieren. Ein composable Ansatz entspricht dagegen den digitalen Ambitionen moderner Unternehmen: neue Kanäle hinzufügen, individuelle Customer Experiences gestalten oder zusätzliche Tools integrieren, alles ohne bestehende Systeme „aufzureissen“.
Statt in grossen, riskanten Replatforming-Projekten alle 3–5 Jahre alles neu zu bauen, können Unternehmen mit einem composable Stack schrittweise vorgehen. Diese inkrementelle Weiterentwicklung reduziert Risiken, verteilt Investitionen über die Zeit und ermöglicht kontinuierliche Innovation, entscheidend für digitale Wettbewerbsfähigkeit.
Und nicht zuletzt: Viele Unternehmen können ihre ERP- oder PIM-Systeme gar nicht einfach ersetzen, die Investitionen sind zu hoch, die Abhängigkeiten zu gross. Composable Architecture bietet hier einen pragmatischen Weg: Bestehende Systeme werden nicht abgeschrieben, sondern in eine moderne Experience Layer integriert. So bleibt das Fundament stabil, während die digitale Oberfläche flexibel gestaltet werden kann.
IKEA hat seine monolithische E‑Commerce-Plattform durch ein auf MACH-Prinzipien basierendes Composable-System ersetzt, mit deutlichen Effekten in Agilität, Kosten und Markteinführung. Nach der Umstellung auf commercetools und Contentstack waren Deployment-Zyklen um 60 % schneller, Betriebskosten sanken um 45 %, und lokalisierte Kampagnen liessen sich in nur 2 statt 8 Wochen ausrollen . Der Engineering Manager spricht von einer Transformation hin zu mehr Flexibilität, Geschwindigkeit und Kosteneffizienz .
Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass Composable Architecture nicht nur technisch flexibler ist, sondern messbar bessere Business-Ergebnisse liefert, bei gleichzeitigem Schutz bestehender Systeme und Ressourcen.
Der Schritt hin zu Composable Commerce ist mehr als eine technische Entscheidung, er ist ein Signal für digitale Zukunftsfähigkeit. Unternehmen müssen ihre gewachsenen Systeme nicht über Bord werfen, sondern können diese gezielt in eine moderne, flexible Experience-Landschaft einbinden. So entsteht eine Architektur, die sich weiterentwickelt, anstatt in starren Zyklen neu gebaut werden zu müssen.
Für Entscheider lohnt es sich, kritisch zu hinterfragen: Blockiert die aktuelle Plattform Wachstum, Skalierbarkeit oder Innovationsgeschwindigkeit? Wenn die Antwort darauf „ja“ lautet, ist der Zeitpunkt gekommen, über eine modulare, composable Architektur nachzudenken.
Der Vorteil liegt im Ansatz selbst, statt riskante Replatforming-Projekte in mehrjährigen Abständen zu stemmen, können Unternehmen Schritt für Schritt modernisieren. Einzelne Bausteine werden ersetzt, neue Kanäle flexibel angebunden, Prozesse vereinfacht. Auf diese Weise entsteht eine Umgebung, die kontinuierliche Innovation möglich macht und genau das ist der Schlüssel zu langfristiger Wettbewerbsfähigkeit.
Composable Commerce eröffnet neue Freiräume für digitale Erlebnisse. Wir zeigen Ihnen, wie Sie schnell starten, bestehende Tools flexibel integrieren und Schritt für Schritt eine Architektur schaffen, die Ihre Kunden begeistert und Ihr Geschäft voranbringt.
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