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MARKETINGBLATT

    Dank WeChat ist das Smartphone in China Zur Geldbörse geworden


    Haben Sie schon einmal einen Kauf abgebrochen, weil die Bezahlungsmethode nicht passte? Kein Unternehmen will potenzielle Kunden auf der Ziellinie verlieren. Aufgrund der enormen Markdurchdringung von WeChats Bezahldienst kommt das in China kaum noch vor: Das Smartphone ist zur Geldbörse geworden.

    Auch in Deutschland hat man erkannt, dass man es dem umsatzstarken chinesischen Markt möglichst einfach machen sollte, Geld auszugeben. Besonders wenn dieser aussichtsreiche Markt in grosser Zahl bei einem zu Gast ist. So kann man inzwischen in über 70 Geschäften des Flughafens München mit dem Bezahldienst der App Käufe abwickeln. Die Möglichkeiten von WeChat Pay sind also keinesfalls auf das chinesische Festland beschränkt. Während es sich Unternehmen im Westen nach wie vor erlauben können, WeChat und dessen zahlreiche Funktionen (noch) nicht in ihre Kommunikations- und Verkaufsstrategie zu integrieren, ist das für Unternehmen, die auf dem chinesischen Markt bereits tätig sind oder es werden wollen, keine Option.

    In Europa hat sich eine Vielzahl von Bezahlmöglichkeiten etabliert. Während in Geschäften nach wie vor am häufigsten mit Bargeld oder Kredit- bzw. Debitkarte, seltener mit der neueren Near Field Communication (NFC) Technologie über Smartphone oder Geldkarte gezahlt wird, gibt es im eCommerce eine weitere Reihe von Möglichkeiten. Neben der Dirketüberweisung, dem Lastschriftverfahren und Kreditkarten ist hier in erster Linie der Online-Bezahldienst PayPal zu nennen. Als Unternehmen muss man Kunden in Europa entsprechend viele Zahlmethoden anbieten, um alle abzuholen. Problem: Mit diesen Bezahlmethoden erreicht man heute nicht mehr alle Kunden in China. Vom multinationalen Unternehmen bis zum Strassenimbiss: Überall zahlt man inzwischen mit WeChat Pay.

    WeChat Pay: Anytime Anywhere

    Das Motto von WeChat Pay ist jederzeit, überall. Als vollständig in die App integrierter Bezahldienst kann sie über den Menüpunkt „WeChat Wallet“ aufgerufen werden. Eine grosse Bandbreite an Transaktionen sind möglich unter anderen:

    • Geldtransfers unter Freunden
    • Transaktionen auf eCommerce Websites
    • Bezahlen von Rechnungen (auch Stromrechnungen etc.)
    • Bestellen und Bezahlen von Taxifahrten
    • Bezahlen von Zug- und Flugtickets
    • Hotelbuchungen
    • Investments in Vermögenverwaltungsfonds
    • Bezahlen von Einkäufen in Ladengeschäften etc.

    Für einige Zeit war neben einem WeChat Account auch eine chinesische Bankkarte nötig, um den Bezahldienst zu nutzen. Inzwischen akzeptiert man aber auch internationale Kreditkarten. Das ermöglicht auch Unternehmen ausserhalb des chinesischen Marktes, diese Bezahlfunktion (z.B. im eCommerce) anzubieten. Nichtsdestotrotz brauchen Unternehmen natürlich einen offiziellen WeChat Account, um über die App Produkte und Services anbieten zu können. Dafür braucht es entweder eine chinesische Geschäftslizenz oder eine Trusted Partner Agentur. Wir beraten Sie dazu gern persönlich.

    Für Transaktionen zwischen Freunden wird vorrangig die WeChat Red Envelope Funktion genutzt (siehe unten). Gewerbliche Transaktionen können in vier Varianten ablaufen:

    1. Web-basiertes Bezahlen in der App
      Hierbei handelt es sich um die gängigste Option. Sie wird für Bezahlvorgänge in WeChat Shops eingebunden. Nutzer können den Kauf eines Produktes einfach über einen eingebundenen WeChat Pay Button tätigen. Dazu müssen Sie den Kauf lediglich durch Eingabe ihres WeChat Pay Passworts oder über ihren Fingerabdruck (sofern das Smartphone über diese Funktion verfügt) autorisieren. Anders als beispielsweise bei PayPal werden die Nutzer also nicht erst an die Website des Dienstes weitergeleitet und müssen sich dort anmelden. Die komplette Transaktion findet innerhalb WeChats statt und bietet somit eine homogene Nutzererfahrung.
    2. Einbindung in externe Apps
      WeChat Pay lässt sich auch über das Software Development Kit (SDK) in andere Apps einbinden. Wird diese Methode ausgewählt, öffnet sich WeChat Pay. Ist die Transaktion abgeschlossen, werden Nutzer zurück zur App geführt.
    3. Über QR-Code
      QR-Codes sind in China weit verbreitet und auch ein fester Bestandteil von WeChat. WeChat Pay nutzt sie in der Regel, wenn Nutzer über eine Desktop Website einkaufen. In diesem Fall wird beim Bezahlvorgang automatisch ein QR-Code generiert, den Nutzer zum Abschluss des Bezahlvorgangs nach Aufrufen von „WeChat Wallet“ mit ihrer Smartphone Kamera einscannen.
    4. Quick Pay
      In Ladengeschäften wird die Quick Pay Funktion genutzt. Sie ist somit in gewisser Weise das chinesische Pendant zur NFC-Methode. Um zu zahlen, muss der Nutzer die Quick Pay Option in seinem WeChat Pay Wallet aufrufen. Es erscheint ein QR-Code, der vom Kassenpersonal lediglich eingescannt werden muss, um den Vorgang abzuschliessen.

    WeChat Red Envelope

    Geldgeschenke haben zum chinesischen Neujahrfest eine grosse Bedeutung. Dafür werden traditionelle rote Umschläge, die hóngbāo, verwendet. Auch in WeChat können Freunde und Familie die roten Umschläge untereinander austauschen. Das Limit sind bei dieser Funktion etwa 33 Euro. Mit der Einführung von WeChat Red Envelope hat Tencent das traditionelle Überreichen der Geldgeschenke erfolgreich in das digitale Zeitalter übertragen. Allein im Jahr 2017 wurden über die App mehr als 46 Milliarden rote Umschläge verschickt – Tendenz weiterhin steigend.

    Auch Marken haben das Feature für sich entdeckt und bieten auch westlichen Unternehmen eine gute Möglichkeit, marktspezifisches Marketing zu betreiben. So können Unternehmen die roten Umschläge nutzen, um Kunden kleine Geldbeträge oder Gutschriften für Produkte zu schenken. Selbst kleinste Beträge können hier schon eine grosse Wirkung entfalten und das Markenimage stärken – besonders im Vergleich zu den Budgets, die nötig sind, um in der App Werbung zu schalten.

    Tags: China Marketing International Marketing

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